Mein Name ist Dempf, Manfred J. A. Dempf. Ich bin Betreuer.
Hä? – Das ist die normale Reaktion, wenn ich mich vorstelle. Deshalb zunächst einmal: Was ist das überhaupt, ein Betreuer?
Ein Betreuer – genauer: ein gesetzlicher Betreuer – ist ein Mensch, der andere Menschen gesetzlich vertritt. Früher hieß das „Vormund“, aber diese Zeiten sind Gott sei Dank vorbei.
Um gleich ein paar Missverständnisse auszuräumen:
Nein, ein Betreuer kümmert sich nicht um Kinder. Seine Klienten sind volljährig.
Nein, die Klienten eines Betreuers sind nicht entmündigt. Bis auf ganz wenige Ausnahmesituationen kann ein betreuter Mensch tun und lassen, was er will.
Nein, ein Betreuer ist kein Sozialarbeiter, keine Pflegekraft und kein Erzieher. Seine Aufgabe ist die gesetzliche Vertretung und die Organisation. Die praktische Arbeit machen andere. Ebenso die Versuche, den Klienten zu ändern.
Die Klienten eines Betreuers sind Menschen, die ihre Angelegenheiten nicht oder nicht ganz selbst regeln können. Im wesentlichen sind das fünf Personengruppen: Psychisch Kranke, Suchtkranke, geistig Behinderte, Demenzkranke und Komapatienten.
Die Fälle werden vom Betreuungsgericht zugewiesen. Und das hat ein Betreuer dann zu tun:
- Geld verwalten
- Schulden regulieren (bzw. meistens Gläubiger vertrösten)
- Anträge stellen für alles, was das (Behörden-)Leben so bietet
- Organisation von medizinischer Behandlung und Pflege
- Organisation der Haushaltsführung
- Organisation von Entmüllungen, Wohnungsräumungen, Umzügen usw.
- Heimplatzsuche und dann Kontrolle und Zusammenarbeit mit Heimen
- Organisation von Tagesstrukturen
- Streiten mit Behörden, Krankenkassen, Inkassobüros, Deutscher Telekom, Kabel Deutschland, Vermietern, Angehörigen, potentiellen Erben, Gerichten und dem Rest der Welt.
- Und sonst noch alles mögliche, was halt im Leben eines Menschen so anfällt.
Dies geschieht alles in Absprache mit dem Betreuten, sofern dieser dazu in der Lage und willens ist. Gegen seinen Willen kann ein Betreuer relativ wenig tun.
Die meisten Betreuer arbeiten ehrenamtlich. Der größte Teil davon sind Angehörige der Betreuten. Daneben gibt es noch berufliche Betreuer, die entweder in Betreuungsvereinen angestellt sind, oder freiberuflich arbeiten.
Ich gehöre zu den Letzteren. Seit 1998 verdiene ich mein Geld mit dieser schönen, nervenaufreibenden, hilfreichen, extremen Tätigkeit. Ich arbeite in einer Bürogemeinschaft mit einer wunderbaren Kollegin in der schönen Stadt Buchloe.