Wieviel darf ein Betreuer arbeiten?

Vor einiger Zeit habe ich schon mal über den Verdienst eines beruflichen Betreuers geschrieben. Ich muss noch mal auf dieses Thema zurückkommen, weil da immer wieder immer noch falsche Vorstellungen verbreitet werden. Die falsche Vorstellung ist, dass berufliche Betreuer für jeden Klienten nur ein bestimmtes Zeitkontingent zur Verfügung haben.

Das stimmt einfach nicht. Zur Klarstellung:

Seit 1. Juli 2005 erhalten berufliche Betreuer für jede Betreuung eine bestimmte Pauschale. Wie es eine Pauschale so an sich hat, ist diese unabhängig von der tatsächlich angefallenen Tätigkeit. Die Höhe der Pauschale richtet sich nach der Ausbildung des Betreuers, dem Aufenthalt des Klienten (Heim oder eigene Wohnung) , der Dauer der Betreuung und danach, wer das Ganze bezahlt (der Staat oder der Klient selber).

Gut ist:

- ein abgeschlossenes Studium, das zur Tätigkeit des Betreuers passt,

- ein Klient, der zuhause wohnt,

- eine neue Betreuung,

- ein selbstzahlender Klient.

Das alles erhöht die Pauschale. Für Betreuer ohne nutzbares Studium gibt’s weniger. Ebenso bei Klienten, die im Heim wohnen, bei denen der Staat die Betreuung bezahlt oder bei denen die Betreuung schon länger läuft. Konkret: Für eine langjährige Betreuung eines Heimbewohners, der von Sozialhilfe lebt, bekomme ich 88,00 Euro im Monat. Für eine neue Betreuung eines selbstzahlenden Klienten in der eigenen Wohnung kriege ich 374,00 Euro pro Monat im ersten Quartal. Das sind die beiden Extreme.

So weit, so klar. Nun hat der Bundestag in seiner unergründlichen Weisheit diese Pauschalen aber nicht in Eurobeträgen festgelegt, sondern in Stundenzahlen. Der Gesetzgeber sagt also: “Für eine langjährige Betreuung eines mittellosen Heimbewohners bekommst du jeden Monat 2 Stunden à 44,00 Euro vergütet.”

Daraus leiten nun (immer noch) manche Betreuer ab, dass sie nur zwei Stunden pro Monat für solch einen Klienten arbeiten dürfen bzw. wenn sie mehr arbeiten, das dann ohne Bezahlung geschieht. Sie übersehen dabei, dass diese Stundenzahl nur eine Rechengröße ist – eine Rechengröße, die mit der realen Arbeit nichts zu tun hat. Das heißt: Die Rechnung lautet nicht “Ich kriege zwei Stunden bezahlt und der Rest ist unbezahltes Vergnügen” sondern: “Ich bekomme 88,00 Euro pro Monat und dafür muss ich die Arbeit machen, die anfällt. Wenn es wenig Arbeit ist, habe ich einen höheren Stundenlohn, wenn es viel Arbeit ist, sinkt eben der Stundenlohn.”

Die grundlegende finanzielle Frage für jeden beruflichen Betreuer ist somit nicht “Wieviel Zeit bekomme ich bezahlt?” sondern: “Für welchen Stundenlohn bin ich bereit zu arbeiten?”

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