20 Jahre Betreuungsrecht

Am 1. Januar 1992 trat das Betreuungsrecht in Kraft, das das bisherige Vormundschafts- bzw. Pflegschaftsrecht für Volljährige ablöste. Seit 20 Jahren gibt es also nun Betreuung, Betreuer, Betreute, Betreuungsstellen und Betreuungsgerichte.

Was hat sich getan in dieser Zeit?

Für die betroffenen Menschen hat es eindeutig mehr Rechte, mehr Selbständigkeit, mehr Freiheiten, mehr Verantwortung gebracht – aber als Folge davon auch weniger Schutz. Das eine ist nun einmal zwangsläufig die Folge des anderen. Wenn ich jemanden durch eine Vormundschaft und damit verbunden durch eine Entmündigung unter eine luftdichte Glasglocke stelle, hat dieser Mensch einen Rundum-Sorglos-Schutz, aber auch so gut wie keine Freiheit. Mit der Betreuung behält ein Mensch alle Freiheiten und Rechte, aber eben auch alle Verantwortung. Der Betreuer kann deshalb oft genug nur mit den Schultern zucken und zusehen, wie sich sein Klient selbst kaputt macht.

So ganz allmählich beginnt das Instrument “Betreuung” sich in der Öffentlichkeit zu etablieren. Zu Beginn meiner Tätigkeit vor vierzehn Jahren hat die Nennung meines Berufes immer nur Ratlosigkeit erzeugt. Heute kommt auf den Satz “Ich bin Betreuer von Beruf” sehr oft die Antwort: “Ach ja, ich war auch schon Betreuer für meinen Vater / meine Mutter” oder so ähnlich. Bei 1,2 Millionen Menschen, die eine Betreuung haben, kommt nach 20 Jahren halt doch irgendwie fast jeder in irgendeiner Weise mit einer Betreuung in Berührung.

Große Unkenntnis herrscht dagegen erstaunlicherweise immer noch bei den Berufsgruppen, die am häufigsten mit Betreuungen zu tun haben: bei Ärzten, Bankern und Polizisten. Denen muss man auch nach zwei Jahrzehnten immer noch erklären, dass es in unserem Land keine Entmündigung mehr gibt. Dass ein Patient durchaus selbst in eine Operation einwilligen kann, auch wenn er einen Betreuer hat. Dass ein Mensch mit einer Betreuung immer noch frei über sein Vermögen bestimmen kann. Usw.

Völlige Unkenntnis herrscht bei einem Großteil der Journalisten, die über Betreuung berichten. Aber da Journalismus eine besonders schlimme Form von geistiger Behinderung ist, muss man das auch nicht allzu ernst nehmen.

Insgesamt lässt sich sagen, dass die Einführung des Betreuungsrechts ein großer Schritt war, allen Menschen in Deutschland alle verfassungsmäßigen Rechte zukommen zu lassen. Auch wenn die zuständigen Politiker immer wieder erschrecken, wie viel so ein Rechtsstaat für alle kostet: Das ist es wert. Es gibt ja auch keine Alternative dazu.

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