Frau Müller, eine meiner Klientinnen, muss sich drei Zähne ziehen lassen. Sie leidet außer an akuten Zahnbeschwerden an einer langjährigen hochgradigen Psychose. Daraus resultieren viele Ängste, z.B. auch gegen das Ziehen von Zähnen. Deshalb würde sie bei einer örtlichen Betäubung ausflippen, weil sie alles mitbekommt. Sie braucht eine Vollnarkose.
Der Zahnarzt erklärt ihr, dass sie diese Vollnarkose selbst zahlen muss, weil die Kasse das nicht übernimmt. Kosten: 190 Euro.
Ich beantrage bei der Krankenkasse die Kostenübernahme für die Vollnarkose unter Hinweis auf die psychische Erkrankung von Frau Müller. Am nächsten Tag kommt ein Anruf von der Kasse: Selbstverständlich übernehmen sie die Kosten. Das hätten sie auch ohne meinen Antrag gemacht, wenn der Zahnarzt das entsprechend in seiner Abrechnung begründet hätte. Er hätte dann nur nicht 190 Euro dafür bekommen, sondern etwas weniger.
Der Zahnarzt wusste das natürlich. Er wusste auch, dass Frau Müller Sozialhilfe-Empfängerin ist und die Vollnarkose-Selbstzahlung sie die komplette Sozialhilfe von zwei Monaten gekostet hätte (Frau Müller lebt im Heim). Und der Zahnarzt kennt vermutlich die Höhe seines eigenen Einkommens.
Ein wirklich sozial denkender Arzt.
Vielen Dank dass sie so offen über solche Dinge reden. Ich muss ehrlich sagen, dass ich ein wenig erschrocken bin über diesen Zustand des gesundheitssystem. Ich habe oft immer großes vertrauen in die Ärzte und kann daher oft nicht nachvollziehen, warum sie so krampfhaft versuchen arme(und im Regelfall trifft es diese ja primär) so über den Tisch ziehen wollen. Gibt es da eigentlich Möglichkeiten die Ärzte drauf hinzuweisen oder hilft da nur der Arztwechsel? Vielen lieben Dank Ramona