Archiv der Kategorie: Der Mensch als Betreuter

Erfolg

Die Tätigkeit des Betreuers besteht größtenteils aus dem Verwalten des Elends. Es ist ein Erfolg, wenn es im Leben des Klienten nicht noch weiter bergab geht.

Doch gelegentlich erlebt man auch einen Erfolg, der in die andere Richtung weist. Ein Mensch befreit sich aus seiner Not und findet wieder zu einem selbstbestimmten Leben zurück.

Einer meiner Klienten, Herr Reuter, beschert sich selbst – und damit auch mir – gerade solch ein Erfolgserlebnis. Fünfzehn Jahre lang vegetierte er in Depressionen und Ängsten in einer komplett vermüllten Wohnung dahin. Seine sozialen Kontakte wurde immer weniger, die Schulden immer mehr. Zehn Jahre lang war er arbeitslos. Er unternahm mit meiner Hilfe mehrere Anläufe, aus dem Ganzen herauszukommen. Aber immer wenn sich eine reale Änderung abzeichnete bekam er Panik und brach die Reha-Maßnahmen ab.

Vor zwei Jahren war er nun so weit, dass er sein Leben nicht mehr ertragen konnte und ernsthaft eine Änderung anstrebte. Er organisierte selbständig einen Platz in einer neu eröffneten therapeutischen Wohngruppe. Leider geriet er damit in die bürokratischen Mühlen von Jobcenter, Sozialhilfeträger, Rentenversicherung und WG-Anbieter. Das Fazit nach vier Monaten Anträge schreiben, Telefonaten, Faxe und vielen Gesprächen: Herr Reuter kann den WG-Platz haben, wenn er ihn selber bezahlt. Haha.

Herr Reuter war kurz vor dem Aufgeben. Glücklicherweise wurde gerade zu der Zeit ein Platz in einer anderen therapeutischen WG in der Nähe frei. Ich griff sofort zu. Hier klappte es erstaunlicherweise auch reibungslos mit der Bürokratie. Herr Reuter zog ein.

Das war vor knapp zwei Jahren. Seither hat Herr Reuter eine erstaunliche, begeisternde Wandlung durchgemacht. Die Depressionen sind verschwunden, er hat wieder Energie und Antrieb. Er achtet wieder auf sein Äußeres und auf seine Wohnung, er hat wieder Freunde. Seit ein paar Monaten arbeitet er sogar wieder. Und in Kürze, wenn das Privatinsolvenzverfahren beendet ist, wird er auch schuldenfrei sein.

Wenn es so bleibt, kann die Betreuung in absehbarer Zeit aufgehoben werden. Das ist für den Betreuer – wenn es unter diesen Umständen geschieht – die größte Freude.

Kontrolle ist gut – hilft aber nix

Das Betreuungsrecht ist für die Medien ja nicht gerade das hippste Thema. Aber gelegentlich ist es doch mal eine Schlagzeile wert. So wie in den vergangenen Wochen. Da ging die Meldung herum, dass Cornelia Scheel beim Betreuungsgericht angeregt hatte, dass sie als Kontrollbetreuerin gegenüber der Bevollmächtigten ihres Vaters bestellt wird.

Ihr Vater ist Walter Scheel, ehemaliger Bundespräsident und Politiker der Partei, deren Name mir jetzt gerade nicht einfällt. Er lebt nicht mehr hoch auf dem gelben Wagen, sondern schwer dement in einem Pflegeheim. Die von ihm Bevollmächtigte ist seine jetzige Ehefrau. Und die hält ihren Mann – so sagt es zumindest das Heim, sagen die Medien – vom Rest der Welt fern und lässt ihn verwahrlosen. Weshalb Herrn Scheels Tochter, eben jene Cornelia Scheel, gerne ihre Stiefmutter und deren Ausübung der Vollmacht kontrollieren möchte.

Das gibt es tatsächlich. Das nennt sich “Kontrollbetreuung” und der so bestellte Betreuer hat als einzige Aufgabe die Kontrolle des Bevollmächtigten. Hört sich toll an, klingt nach Macht und Unterstützung im Kampf gegen das Böse und ist meistens komplett für’n Arsch.

Ich spreche aus Erfahrung. Vor Jahren wurde ich zum Kontrollbetreuer für einen Sohn bestellt, der von seinem Vater bevollmächtigt worden war. Der Vater war dement, der Sohn war von Beruf Sohn und lebte mit seinen 45 Jahren bei Papi. Papi hatte (noch) einigermaßen Geld und seinen Sohn sehr lieb.  Eine Kombination, die der Sohn intensiv ausnützte. So intensiv, dass es sich bis zum Betreuungsgericht herumsprach, das deshalb mich eben zum Kontrollbetreuer bestellte.

Ich kontrollierte pflichtgemäß den Sohn und seine Amtsführung. Ich stellte fest, dass Papi das neue Auto des Sohns bezahlt hatte, dass dieses Auto mit Papis EC-Karte betankt wurde, dass Papi allein die Miete für die gemeinsame Wohnung bezahlte, dass Papi den Urlaub von Sohn, Freundin und Kind finanzierte (immerhin durfte Papi mitfahren) und so weiter.

Ich legte Papi den Kontoauszug vor. Papi konnte sich zwar nicht mehr an die Details erinnern, aber – ja doch – natürlich wollte er, dass sein Sohn ein schönes Leben hat. Wo der sich doch auch so rührend um ihn kümmerte und jeden Tag Dosensuppe für ihn kochte. “Jaja, das geht schon in Ordnung so, Herr äh wie war doch gleich Ihr Name?”

So lief das über Monate. Ich berichtete regelmäßig dem Gericht, dass der Sohn seinen Papi gnadenlos ausnehme, aber das in Papis Sinne wäre. Woraufhin das Gericht jedesmal hilflos mit den Schultern zuckte und wir weiterhin tatenlos den Sohn kontrollieren mussten.

Immerhin fand diese Geschichte noch ein Happy End. Eines Tages lief Papi nämlich in seiner Demenz gegen einen fahrenden Lkw. Dummerweise kurz bevor der Sohn das letzte Geld verbraucht hatte. So musste der dieses letzte Geld für die Beerdigung aufwenden und danach von Hartz IV leben. Er hat schwer um seinen Vater getrauert.

Alles ist gut

Frau Huber hat diese Woche zu mir gesagt: “So gut wie jetzt ist es mir in meinem ganzen Leben nicht gegangen!”

Das ist bemerkenswert, denn Frau Huber hatte ein erfolgreiches Leben in relativem Wohlstand; und vor einem Jahr hatte sie den größten Teil ihres Besitzes einschließlich ihrem Haus aufgegeben, um in ein Pflegeheim zu gehen. Außerdem leidet sie an Demenz im Anfangsstadium.

Aber das erfolgreiche Leben verbrachte sie an der Seite eines sehr dominanten Ehemanns, der seinen Machtanspruch auch mit körperlicher Gewalt durchsetzte. Eigentlich lebte Frau Huber nicht an der Seite ihres Mannes, sondern unter ihm. Und als der Gatte endlich so nett war, vor ihr zu sterben, zog Frau Hubers Schwester bei ihr ein. Die genauso dominant und genauso gewaltbereit war.

Ich wurde Betreuer für beide Schwestern. Beide gingen zusammen ins Heim. Als sich bei Frau Huber die Demenz immer breiter machte, ging es ihr wie allen Demenzkranken: Die soziale Selbstkontrolle brach nach und nach weg. Frau Huber wurde immer aggressiver. Auch im Heim wütete sie gegen ihre Schwester und andere Bewohner. Die Zustände waren grenzwertig.

Nach drei Monaten im Heim starb ihre Schwester. Und von einem Tag auf den anderen war Frau Huber ausgeglichen, voller Humor und Freude, trotz gelegentlicher demenzbedingter depressiver Phasen.

Das Heim, in dem Frau Huber jetzt ist, ist ein kleines Heim, in dem jeder Bewohner seine ganz individuelle Zuwendung bekommt. In dem jeder Bewohner so sein darf, wie er ist. Eine Erfahrung, die Frau Huber zum ersten Mal seit sechzig Jahren macht. Eine Erfahrung, die sie aufblühen lässt; die sie, trotz der Demenz, sagen lässt: “So gut wie jetzt ist es mir noch nie gegangen.”

Es wäre so einfach, Menschen glücklich zu machen. Man muss gar nichts dazu tun. Nur jeden Menschen so sein lassen, wie er ist anstatt ihn nach dem eigenen Bild zu formen.

Bluff

Meine bevorzugte Herangehensweise an Menschen und Situationen ist Ehrlichkeit. Das ist kurzfristig manchmal unbequem, langfristig jedoch am hilfreichsten. Gelegentlich kommt man als Betreuer aber nicht umhin, auch mal kräftig zu bluffen.

So wie diese Woche. Da erhielt ich einen Anruf von einer Hausmitbewohnerin eines Klienten, Herrn Gärtner. “Die Polin ist grad wieder da, zusammen mit zwei Männern. Und den Gärtner haben sie wieder weggeschickt!”

Die Polin ist eine hauptberufliche Alkoholikerin und Nebenerwerbs-Nutte. Sie schmeißt sich schon seit Jahren an Herrn Gärtner ran, um in seiner Wohnung ihrem Gewerbe nachzugehen und dort ihre Kundschaft auch mit Essen zu versorgen – auf Herrn Gärtners Kosten. Der wird derweil zum Einkaufen geschickt. Mein Klient ist ebenfalls Alkoholiker und wegen einer Hirnschädigung nicht mehr in der Lage, sich gegen solche Dreistigkeiten zu wehren.

Ich konnte der netten Dame bisher nichts beweisen. Deshalb kam mir der Anruf gerade recht. Ich sprinte sofort zur nahe gelegenen Wohnung von Herrn Gärtner. Die Dame macht mir sogar auf. Leider sind die beiden Männer schon wieder weg. Aber alle Indizien deuten auf das übliche hin: Sex und Kochen.

Dummerweise habe ich null Befugnisse. Ich habe weder den Aufgabenkreis “Wohnungsangelegenheiten” noch “Ausübung des Hausrechts”. Aber ich gehe davon aus, dass die Dame im deutschen Rechtswesen nicht sehr bewandert ist. Und ich habe zwölf Jahre Erfahrung als Schauspieler. Also spiele ich jetzt die Rolle “Ich bin Gott und du bist nix”. Ich teile der Dame mit, dass sie ab sofort Hausverbot hat, sofort hier verschwindet und vorher noch den Wohnungsschlüssel rausrückt. Ansonsten kommt die Polizei.

Nach langem Palaver packt die Dame tatsächlich ihre Sachen und geht. Aber den Schlüssel rückt sie nicht raus. Ich rufe die 110 an. Ich höre ganz weit entfernt jemand reden. Verstehen tu ich nichts. Zweiter Versuch. Wieder dasselbe. Ich hoffe, dass jemand vom Notruf mich zurückruft. Passiert nicht. – Landpolizei …

Na gut, dann soll sie den Schlüssel behalten. Immerhin hat sie jetzt Hausverbot und das nächste Betreten des Hauses ist ein Vergehen, das einen Einsatz der Polizei rechtfertigt. Falls man die erreicht.

Ein erster Erfolg. Es werden noch mehrere Schlachten folgen.

Bleibt noch eine letzte Frage zu klären: Wie nennt man eine betrunkene Nutte?

Prost!ituierte.

Betreute Theologie

Frau Bauer ist eine meiner dienstältesten Klientinnen. Sie ist über sechzig, geistig behindert und sehr schlecht zu Fuß. Außerdem ist sie eine begeisterte Kirchgängerin. Katholische Kirchgängerin. Da sie wegen ihrer Gehbeschwerden nicht mehr in die weit entfernte katholische Kirche kommt, geht sie jetzt in die nahe gelegene evangelische Kirche.

Ihr Fazit nach den ersten Gottesdienstbesuchen bei der “Konkurrenz”: “Es ist bei den Evangelischen ganz genau so wie bei uns Katholischen, nur anders.”

Das ist Theologie auf den Punkt gebracht.

Wie werde ich Betreuter?

Sie haben richtig gelesen. Es geht in diesem Artikel nicht darum, wie Sie Betreuer werden können, sondern wie Sie eine Laufbahn als Betreuter einschlagen können. Das ist nämlich – entgegen einer weit verbreiteten Ansicht – gar nicht so leicht. Dazu sind viele Vorstellungsgespräche nötig.

Alles beginnt damit, dass jemand meint, dass Sie für eine Stelle als Betreuter qualifiziert seien. Das kann jemand aus Ihrer Familie sein, Ihr Arzt, Ihre Heimleitung, Ihr Nachbar, Ihr Pflegedienst, oder sonst irgendjemand. Sie können sich aber auch selbst dafür bewerben. Diese Bewerbung ist an keine Form gebunden. Es reicht ein Anruf.

Die Stellenausschreibung für den Job eines Betreuten lautet: “Sie haben eine dauerhafte Behinderung oder Erkrankung, die es Ihnen unmöglich macht, Ihre Angelegenheiten oder einen Teil davon selbst zu regeln? Sie benötigen Hilfe, die Sie auf eine andere Weise (z.B. per Vollmacht) nicht bekommen? Und Sie wollen sich auch helfen lassen? – Dann kommen Sie zu uns. 1,4 Millionen Kollegen warten bereits auf Sie!”

Und wo müssen Sie sich nun bewerben? – Die erste Anlaufstelle ist die Betreuungsstelle. Diese findet sich im Landratsamt oder in der Stadtverwaltung einer kreisfreien Stadt. Sie oder jemand anderer teilt dieser Betreuungsstelle mit, dass Sie Interesse an der Tätigkeit als Betreuter haben. Daraufhin kommt jemand von der Betreuungsstelle zu Ihnen zu einem ersten Vorstellungsgespräch. Dabei geht es dann um die Frage, ob Sie für diese Tätigkeit geeignet sind. Es wird gecheckt, ob Sie eine Behinderung haben, ob Sie Hilfe brauchen, ob diese Hilfe nicht auf andere Weise erreicht werden kann und ob Sie diese Hilfe überhaupt wollen. Gegen Ihren Willen geht da nämlich gar nichts. (Vorausgesetzt natürlich, Sie können noch einen eigenen freien Willen bilden.)

Wenn die Betreuungsstelle zu der Ansicht gelangt, dass Sie qualifiziert genug sind, um als Betreuter tätig werden zu können, meldet sie das dem Betreuungsgericht. Damit beginnt erst das eigentliche Bewerbungsverfahren.

Als nächstes haben Sie dann ein Vorstellungsgespräch mit einem Psychiater oder Neurologen. Der untersucht, ob Sie von den geistigen und psychischen Voraussetzungen her geeignet sind für eine Betreuung. Er schreibt dann ein Gutachten ans Gericht und freut sich auf seinen nächsten Kontoauszug.

Schließlich kommt dann der Betreuungsrichter zu Ihnen (oder Sie zu ihm). Das ist der wichtigste Mensch, denn der entscheidet, ob Sie den Job kriegen oder nicht. Deshalb muss der zwingend Sie kennenlernen. Und zwar so gut kennenlernen, dass er eine begründete Entscheidung treffen kann. Er muss zwingend am Ende des Vorstellungsgesprächs wissen, a) ob Sie eine Behinderung haben, b) ob Sie Hilfe brauchen, c) ob Sie die Hilfe nicht anders bekommen können, d) ob Sie mit dem vorgeschlagenen Betreuer einverstanden sind, e) ob Sie das alles begreifen, was er von Ihnen will, und falls e) zutrifft: f) ob Sie die Betreuung wollen.

Wie gesagt, gegen Ihren Willen geht nichts. Gar nichts. Nun ist das so eine Sache mit dem Willen bzw. mit der Erkundung des Willens. Ich kenne einen Betreuungsrichter, bei dem läuft das Anhörungsgespräch in etwa so ab:

Richter: “Also der Gutachter schlägt eine Betreuung vor, das ist Ihnen doch recht, nicht wahr, als Aufgabenkreise nehmen wir Vermögenssorge, Gesundheitsfürsorge, Aufenthaltsbestimmung, da haben Sie ja keine Einwände, gell, den Herrn Dempf haben Sie ja gerade kennengelernt, der passt Ihnen ja, nehme ich an, gut, dann kriegen Sie in den nächsten Tagen den Beschluss.”

Und weg ist der Richter. Und wenn der Bewerber es nicht schafft, an den richtigen Stellen Luft zu holen und schnell und deutlich “Nein!” zu sagen, ist er zwei Tage später mit einer Betreuung beglückt. Ob er will oder nicht. So erst dieser Tage wieder geschehen bei einer Bekannten von mir, die die Betreuung weder braucht noch will.

Aber dieser Richter ist die Ausnahme. Ansonsten bewegen sich alle Richter im Rahmen der Legalität.

So, und dann haben Sie endlich die Stelle als Betreuter bekommen. Karriere können Sie leider nicht machen. Sie schaffen höchstens den Aufstieg zum “langjährigen Betreuten”. Aber Sie können jederzeit kündigen. Ohne Einhaltung von Fristen. Und Sie können auch jederzeit in eine andere Abteilung, sprich zu einem anderen Betreuer, wechseln. Ist halt ein sehr flexibler Job, der Betreute.

Das Kgl. Bayerische Amtsgericht lebt

Neulich war ich bei einer Strafverhandlung, die hatte bei allem Ernst der Sache doch einen hohen Unterhaltungswert. Das Ganze erinnerte ans Königlich Bayerische Amtsgericht.

Angeklagt war einer meiner Klienten mit zwei seiner “Freunde”. Mein Klient ist Mitte zwanzig, geistig behindert und leicht zu Dummheiten zu verführen. Er hatte mit seinen Kumpels des nachts auf einem Golfplatz bei einem Golfcar das Schloss geknackt und damit ein paar Runden auf dem gepflegten Rasen gedreht, der danach nicht mehr ganz so gepflegt war. Die Anklage lautete auf schweren Diebstahl.

Der Richter befragte zuerst meinen Klienten und einen der Kumpels. Beide gaben alles zu und schilderten detailliert, wer von dreien wann was gemacht hatte. Dann kam der Richter zum jüngsten des Trios, der erst 16 war. Er begann die Befragung mit den Worten: “So, Kevin, und jetzt zu dir. Und diesmal erzählst du mir nicht die Story vom Pferd!”

Was Kevin dann aber doch tat. Seine ersten Sätze waren: “Ich war da gar nicht dabei. Da hatte ich nämlich meinen Badetag, wie immer am Freitag.” Kevins Verteidiger sank deutlich sichtbar in sich zusammen, der Richter bekam einen Lachanfall und sagte: “Badetag? So wie ich in meiner Kindheit vor fünfzig Jahren, mit Holz in den Ofen und dann badet die ganze Familie hintereinander weg? – Mal abgesehen davon, dass der Vorfall nicht an einem Freitag war, sondern an einem Donnerstag.”

Daraufhin fiel Kevin ein, dass er an diesem Tag bei seiner Tante war. Diese wurde daraufhin als Zeugin aufgerufen. Die Tante sprach intensiven bayerischen Dialekt, redete irrsinnig schnell und stotterte. Irgendwann meldete sich die Staatsanwältin, die deutlich hörbar nicht aus Bayern stammte,  zu Wort: “Können Se bitte langsamer sprechen, ick vasteh keen Wort!” Der Richter musste da ganz plötzlich sich ganz schnell wegdrehen. Aber man sah auch von hinten wie er grinste.

Schließlich wurde noch ein Zeuge aufgerufen. Ein Mann mit tiefgebräuntem Gesicht, rotem Poloshirt, grüner Cordhose. Sein Name war Friso Hammer.* Als seinen Beruf gab er “Golf-Professional” an, um dann mit einem gequälten Lächeln nachzusetzen: “Also Golflehrer.” Mein erster Gedanke war: “Wie soll man da bitteschön keine Vorurteile entwickeln?”

Eigentlich war das Ganze ja tragisch. Vor allem Kevin tat mir leid. Erst 16 und von niemandem mehr zu erreichen. Aber trotzdem: Es war auch ein höchst vergnüglicher Nachmittag.

 

* Name natürlich geändert. Aber das Original war genauso passend.