Vorletzte Woche war wieder mal ein Umzug fällig. Das zählt ja zu den Hauptbeschäftigungen eines Betreuers, Klienten dabei zu helfen, von Wohnung A nach Wohnung B zu ziehen.
Ehrlich gesagt: Das zählt nicht zu meinen liebsten Tätigkeiten. Umzüge sind mit viel Arbeit und oft mit viel Ärger verbunden. Der Vermieter der alten Wohnung ist häufig nicht sonderlich begeistert über den Zustand der Wohnung. Noch weniger begeistert ist er von der Aussicht, die Renovierung selber bezahlen zu dürfen, weil mein Klient kein Geld hat. Der Umzug selbst und seine Bezahlung müssen organisiert werden. Die Umzugsfirma muss beaufsichtigt werden, damit sie exakt das mitnehmen, was mit soll, nicht mehr und nicht weniger. Und danach folgt dann der übliche bürokratische Kram mit Ummeldung, Adressänderung an tausend Stellen mitteilen, neuer Antrag beim neu zuständigen Jobcenter usw.
Der letzte Umzug war da mal einfacher. Zumindest der Umzug selbst. Der Klient wohnte bisher bei seiner Mutter und besaß außer einem Schlafsofa und zwei Computern keine Möbel. In 1 1/2 Stunden war der Umzug erledigt. Dafür hält mich das Ganze jetzt danach in Atem. Die neue Wohnung , die logischerweise leer war, musste gefüllt werden. Dafür musste ein Zuschuss beim Jobcenter beantragt werden. Der Ölofen und der Tank waren ebenfalls leer. Also Heizkostenzuschuss beantragen und Öllieferung beauftragen. Der Zuschuss betrug 336,00 Euro, die Mindestliefermenge beträgt aber 500 Liter, also knapp über 500 Euro. Der Klient hat keine finanziellen Reserven. Hier ist wieder betreuerliche Kreativität gefragt. Idee: Ich schicke meinen Klienten zum nächstgelegenen Öl-Lieferanten, damit er dort sein größtes Talent ausspielt: Mitleid erregen. Ob sie denn einem armen Hartz-IV-Empfänger nicht ausnahmsweise, weil doch Weihnachten ist … – Es funktioniert!
Den aufwendigsten Umzug hatte ich gleich zu Beginn meiner Tätigkeit als Betreuer. Drei Schwestern, die gemeinsam aus dem Sudetenland vertrieben worden waren, gemeinsam in eine Zwei-Zimmer-Genossenschaftswohnung gezogen waren, dort seit vierzig Jahren lebten und in diesen vierzig Jahren nichts weggeworfen hatten. Alles war sauber und ordentlich, alles war voll. In der Küche feinsäuberlich ausgespülte Joghurtbecher mit Ablaufdatum 1979, im Wohnzimmer drei Teppiche übereinander. Man kann doch die alten Teppiche nicht wegschmeißen! Dazu ein großer Dachboden und ein Kellerabteil, beide restlos überfüllt, u.a. mit sieben weiteren Teppichen.
Die drei Schwestern zogen gemeinsam in ein nahegelegenes Pflegeheim. Ich fragte den Heimleiter, ob die Damen persönliche Dinge mitbringen dürften. “Ja, natürlich”. Auch ein bisschen mehr persönliche Dinge? “Kein Problem, wir haben einen großen Dachboden.”
Ein paar Tage später rief mich der Heimleiter an: “Die Damen haben jetzt gerade den hundertsten Umzugskarton in den Dachboden stellen lassen. Es wäre schön, wenn sie jetzt so allmählich mal aufhören würden.” Zu diesem Zeitpunkt hatte die Umzugsfirma noch nicht mal angefangen, die Wohnung leerzuräumen. Sie waren immer noch im Dachboden und im Keller beschäftigt. Wir hatten alle noch viele Wochen Spaß.