Es ist das Schicksal eines jeden, der in einem alltagstauglichen Beruf arbeitet, dass seine ganze Verwandt- und Bekanntschaft Hilfe von ihm auf seinem Fachgebiet erwartet. Ein Elektriker darf bei allen Eltern, Kindern, Cousinen, Freunden, Nachbarn und Freunden von Nachbarn von Cousinen Leitungen verlegen. Ein Maler ist für alles zuständig, was mit Farbe in den Wohnungen seiner Verwandtschaft zu tun hat. Und so weiter.
Dem Betreuer geht es ähnlich. Muss ein Kumpel ein Formular ausfüllen, mit dem er überfordert ist, kommt er damit zu seinem Betreuer-Kumpel. Will eine Freundin der Frau des Betreuers eine Patientenverfügung verfassen, wendet sie sich mit ihren Fragen an den Betreuer-Mann ihrer Freundin. Und so weiter.
Ich mach das ja gerne. Ich rede ja auch gerne über meinen Beruf (siehe dieser Blog). Aber irgendwo hat alles seine Grenzen. Da sind dann da, wo es um meine eigenen Angelegenheiten geht. Gestern sagte ein Kollege zu mir: “Ich hab nie Lust, irgendwelche Anträge für mich selbst auszufüllen.” So geht’s mir auch. Ob Kindergeld oder Schriftverkehr mit den diversen Krankenkassen meiner Familie: Das überlasse ich gerne meiner Frau.
Dann kann ich hinterher, wenn meine Frau wieder jammert, wie schwierig das alles ist, ganz bescheiden sagen: “Siehst du, Schatz, für mich ist das Alltag.” Und meine Frau bewundert mich dann maßlos … Bilde ich mir zumindest ein.