Schlagwort-Archive: Befreiungsausweis

Schöne Worte

Jetzt ist ja wieder die Zeit der Suche nach dem Wort des Jahres, dem Unwort des Jahres, dem irgendwelchen Dingsbums des Jahres. Auch im Betreuungswesen begegnen einem immer wieder schöne, anrührende Wortbildungen, die begeistern und haften bleiben. Hier sind meine drei Favoriten:

Befreiungsausweis

Den bekommt jeder, der für das laufende Jahr von Zuzahlungen in der gesetzlichen Krankenversicherung befreit ist. Befreiungsausweis: Ein wunderbares Wort! Diese Kombination aus einer tiefen menschlichen Sehnsucht (Befreiung) und einem typisch bürokratischen Ausdruck (Ausweis) hat so etwas ganzheitliches, vermittelt eine Sicherheit, wie der Mensch sie sonst in so einem persönlichen Bereich nicht erlebt. Danke, liebe Sozialgesetzgebung!

Kompetenzcenter Schaden

Als ich neulich diesen Ausdruck gelesen habe, dachte ich zuerst, dass sich Kabel Deutschland umbenannt hat, um seine einzig vorhandene Kompetenz deutlich zum Ausdruck zu bringen. Aber es handelte sich dann doch nur um die Abteilung einer Unfallversicherung, die Schadenfälle reguliert. Dennoch: Zwei so entgegengesetzte Bedeutungen in einem Ausdruck zusammenzubringen ist eine sprachliche Glanzleistung. Danke, Gothaer Versicherung!

Empfangsbekenntnis

Immer wenn ich ein Empfangsbekenntnis in Händen halte, bekomme ich richtiggehend religiöse Gefühle. Ich bin dann jedesmal versucht zu sagen “Ich bekenne Gott dem Allmächtigen und allen Brüdern und Schwestern …” Aber ach, es handelt sich bei einem Empfangsbekenntnis nur um die schnöde Bestätigung, dass man ein amtliches Schriftstück – bevorzugt vom Betreuungsgericht – erhalten hat. Man füllt es aus und sendet es an den Absender des Schriftstücks zurück. Sehr prosaisch. Aber dafür einen so lyrischen Ausdruck zu erfinden: Das bereichert den Alltag des Betreuers. Danke, liebes Betreuungsgericht!