Ich hätte mal eine Frage an die Leser. Es geht um ein Phänomen, das ich ständig beobachte. Da würde mich interessieren, ob das bei anderen BetreuerInnen auch so ist.
Das Phänomen ist: Im Leben eines Betreuers gibt es keine Gleichmäßigkeit, alles tritt entweder gar nicht oder gehäuft auf.
Das zeigt sich schon beim Arbeitsanfall. Wochenlang ist alles sehr ruhig, man fragt sich, warum man überhaupt in die Arbeit geht. Dann kriegt ein Klient die Krise, drei Tage später wird einer schwer krank, dazu bekommt man noch eine neue, sehr heftige Betreuung – und innerhalb weniger Tage sieht man vor lauter Arbeit kein Ende mehr. Ein Arbeiten im vernünftigen, verträglichen Mittelmaß gibt es nur übergangsweise.
Auch alles, was einem so passiert als Betreuer, passiert immer entweder gar nicht oder gehäuft. So musste ich z.B. die ersten drei Jahre meines Betreuerlebens nie einen Rentenantrag stellen. Es ergab sich halt so. Aber dann kamen innerhalb weniger Wochen gleich drei Anträge auf mich zu.
Oder: Elf Jahre lang habe ich nie einen Klienten persönlich zur Aufnahme in eine Klinik begleitet. Diese Aufnahmen geschahen entweder notfallmäßig und ich erfuhr erst hinterher davon. Oder der Klient war selbstständig genug, um das selbst zu regeln. Oder er hatte eine Begleitung (Angehörige, Sozialdienst). Oder ich konnte es vom Schreibtisch aus regeln.
Heuer war ich schon viermal mit Klienten zur Aufnahme in der Klinik. Hat sich so ergeben.
Anderes Beispiel: Ich habe bisher zweimal Klienten von mir tot aufgefunden. Beide innerhalb weniger Wochen. Das ist jetzt acht Jahre her. Seither war nie mehr was.
Immer gehäuft, nie gleichmäßig verteilt: Ist das bloß bei mir so? Oder ist das ein typisches Betreuersymptom?