Ich bin nebenher auch als Verfahrenspfleger tätig. (Hier ist die Erklärung dieses Begriffs!) Dabei erlebt man immer wieder wunderliche Dinge.
Vor zwei Wochen kam zum Beispiel die Akte für eine Dame weit über achtzig auf meinen Tisch. Sie war frisch in die geschlossene Station der Psychiatrie eingeliefert worden. Diagnose: Delir bei Demenz. Der Richter hatte eine vorläufige Unterbringung genehmigt und den Sohn der Frau zum Betreuer bestellt.
Ein paar Tage später rufe ich den Sohn an. Der sagt mir, dass seine Mutter wieder fit sei. Sie hätte nie Demenz gehabt und hätte sie auch jetzt nicht.
Ich fahre zu der Dame. Sie liegt im Bett, ist geistig ohne jede Beeinträchtigung und weiß, warum sie hier ist und dass sie hier nicht bleiben will. Folgendes war passiert: Die Dame hatte Verstopfung und nahm deshalb ein Abführmittel. Allerdings nicht die empfohlenen 10 Tropfen, sondern 100, damit’s auch wirklich hilft. Die Folge: 10 kg Gewichtsverlust, massive Dehydrierung, Delirium, Einlieferung ins Krankenhaus. Die Ärzte sagen: Aha, typisch Demenz – und das ganze Verfahren nimmt seinen Lauf.
Ich habe sofort ans Gericht gefaxt, dass der Beschluss zur Unterbringung sofort aufgehoben werden muss. Was auch geschah.