Kennen Sie den Ausdruck “Metzgerfahrt”? – Das ist eine Bezeichnung für eine erfolglose Unternehmung. Eine solche habe ich diese Woche unternommen.
Zusammen mit einem Klienten, Herrn Karl, bin ich in die nächstgelegene Großstadt gefahren. Dort war die Besichtigung einer ambulanten Einrichtung geplant, in der psychisch Kranke wie Herr Karl kurzzeitig zur Krisenbewältigung Aufnahme finden können. Herr Karl ist im Rentenalter, sehr korpulent und hat immer wieder Tage mit großer körperlicher Schwäche.
Einen solchen Tag hatte er dummerweise nun erwischt. Außerdem hatte er verschlafen und in Folge dessen kein Frühstück und vor allem keine Zigarette intus. Die Folge: Er kam mit Müh und Not noch aus der Tiefgarage heraus, in der ich geparkt hatte. Die 100 m bis zur Einrichtung waren nicht mehr zu schaffen. Zum Auto zurück packte er es auch nicht mehr. Mit dem Auto aus der Tiefgarage heraus und ihn wieder einladen ging auch nicht, da es auf der Straße keinerlei Parkmöglichkeit gab.
Scheiße. Ich verfluchte mich selber, weil ich nicht daran gedacht hatte, einen Rollstuhl mitzunehmen. Also lehne ich Herrn Karl gegen eine Wand und sprinte ich zur Einrichtung, um dort einen solchen zu organisieren. Dort gab’s aber keinen, und auch sonst war nichts auf körperlich eingeschränkte Menschen eingerichtet. Somit war nach fünf Minuten klar: Das Ganze ist eh nichts für Herrn Karl.
Ich sprinte zurück zu Herrn Karl. Der sitzt inzwischen am Boden, ein freundlicher Herr kümmert sich um ihn. Dieser ist sehr kompetent, genau das, was ich jetzt brauche. Denn irgendwie muss ich Herrn Karl ja wieder ins Auto bringen. Der freundliche Herr ist von Beruf Polizist und kennt sich bestens in der Stadt aus. Er geht zum nächstgelegenen Altersheim und kommt von dort mit einem Rollstuhl zurück. Wir rollen Herrn Karl ins Auto, der freundliche Herr bringt den Rollstuhl zurück.
Eine Metzgerfahrt auf ganzer Linie, dank eigener Dummheit und widriger Umstände. Aber wenigstens habe ich einen äußerst netten Menschen kennengelernt.