Eine Person aus meinem Bekanntenkreis – nennen wir sie Person X -, erzählte mir neulich, dass sie eine andere Person aus meinem Bekanntenkreis – Person Y – mit ihrem Auto in die nächstgelegene Psychiatrie gefahren hat. Mir haben sich die Zehennägel aufgerollt, die Haare gesträubt und der Magen zusammengezogen.
Person Y leidet nämlich seit vielen Jahren an Schizophrenie. Die zeigt sich mal deutlicher, mal eher bloß im Hintergrund. Dieser Tage hatte sie wieder einen Schub mit intensiven Wahnvorstellungen, weshalb sie dringend (freiwillig und aus eigenem Antrieb) ins Bezirkskrankenhaus wollte. Aufgrund bestimmter Umstände wurde Person X gefragt, ob sie nicht Person Y fahren wolle. Person X tat es.
Ich habe Person X nach der Schilderung der Fahrt kräftig zusammengeschissen. Nicht aus Besserwisserei, sondern weil ich nachträglich noch Angst um sie hatte.
Wenn man jemanden im Auto hat, der einen akuten psychotischen Schub erleidet, kann das gut gehen (so wie es hier zum Glück der Fall war). Es kann aber auch passieren, dass derjenige ganz friedlich dasitzt und plötzlich, von einer Sekunde auf die andere, in seine eigene Welt entschwindet, in der er irgendwo anders ist und irgendwo anders hingeht. Was sich in der Welt des Autofahrers so zeigt, dass der Mensch auf dem Beifahrersitz die Tür öffnet und aussteigt. Kommt bei Tempo 120 auf der Autobahn unheimlich gut.
Oder der bis dahin harmlose Beifahrer wird urplötzlich von Dämonen angegriffen, was ihn zu kräftigen Rundum-Abwehrschlägen veranlasst. Wenn da dann das Gesicht des Fahrers im Weg ist, dann wird’s interessant für den Fahrer, den Beifahrer und alle entgegenkommenden Autofahrer.
Es reicht auch schon, wenn der Beifahrer ohne Vorwarnung einen lauten Schrei ausstößt und der Fahrer vor Schreck das Lenkrad verreißt.
Deshalb, liebe Betreuer/Angehörige/Nachbarn/Freunde: Nehmt nie, nie, nie einen Menschen mit einer akuten Psychose im Auto mit! Das einzig angebrachte Transportmittel in so einem Fall ist der Sanka! Und sonst nichts!