Ich habe hier schon mehrmals über die Betreuung berichtet, die ich zuletzt übernommen habe. Mein Klient ist ein freundlicher, netter Mann. Er ist so nett, dass er zu allem “Ja” sagt, auch wenn man ihn am Telefon fragt, ob er bei Internet-Gewinnspielen mitmachen will oder ob er ein neues Handy braucht oder ein Zeitschriften-Abo. Das hatte dazu geführt, dass er bis zu dreißig solcher Verträge pro Monat abschloss.
Für mich hieß das, bis zu dreißig Schreiben pro Monat loszulassen und dreißig Lastschriften zurückgehen zu lassen. Die Aussicht, dass das noch monatelang so weitergehen könnte, ließ mich jubeln.
Ich versuchte in den letzten Wochen eine zweifache Strategie. Zum einen setzte ich beim Klienten an. Ich schärfte ihm ein, er solle am Telefon nur noch einen Satz sagen: “Bitte wenden Sie sich an meinen Betreuer.” Und den Abzocker-Firmen teilte ich mit, dass a) ihr Vorgehen kriminell ist und ich bei weiteren Belästigungen sie zur Anzeige bringen werde und b) sie nie, auf gar keinen Fall von meinem Klienten Geld kriegen werden. Meine Hoffnung war, dass ebenso wie diese Firmen untereinander “gute” Adressen handeln, sie auch “schlechte” Adressen weitergeben und mein Klient auf diese zweite Liste kommen würde.
Und nun, seit einer Woche, ist der Strom der Vertragsbestätigungen und Lastschriften plötzlich versiegt. Von einem Tag auf den anderen ist Ruhe. Mein Klient berichtete mir ganz erfreut, dass der Satz “Wenden Sie sich an meinen Betreuer” die Werbeanrufe drastisch verkürzt. Alles, was danach vom Anrufer kommt, ist: “Danke, auf Wiedersehen.” Und das mit der Negativliste scheint auch zu funktionieren.
Es keimt Hoffnung auf. Ganz vorsichtig. Aus langjähriger Betreuererfahrung weiß ich, dass das Böse wie in den Hollywood-Filmen immer nur scheinbar tot ist und plötzlich wieder aufspringt, wenn der Held gerade nicht hinsieht. Also warten wir’s ab. Aber so eine ruhige Woche hat ja auch schon mal was.
Und wenn Sie demnächst einen Werbeanruf bekommen, probieren Sie es doch auch mit dem Satz “Wenden Sie sich bitte an meinen Betreuer!”. Man darf doch auch mal Spaß haben, oder?