Ich habe an dieser Stelle zwar schon öfter über ein bestimmtes Thema geschrieben, das speziell berufliche Betreuer betrifft. Aber da dieses Thema immer wieder auf den Tisch kommt, und dabei immer wieder der gleiche Blödsinn zu hören ist, kann ich nicht anders als es nochmal aufzugreifen.
Der Blödsinn kulminiert in einem Satz: “Ich kann für Herrn XY diesen Monat nichts mehr tun, ich habe mein Zeitkontingent schon verbraucht.” Oder so ähnlich.
Wir beruflichen Betreuer werden bekanntlich nach Fallpauschalen bezahlt. Je nach den Umständen des Falls (Dauer der Betreuung, Wohnsitz des Betreuten, Zahlung aus der Staatskasse oder aus dem Vermögen des Betreuten) gibt es unterschiedlich viel Geld. Entscheidend sind aber die Umstände, nicht die tatsächlich zu leistende Arbeit. Das heißt: Manchmal muss man viel arbeiten für wenig Geld, manchmal gibt’s wenig zu tun für viel Geld, und oft passen Arbeit und Vergütung gut zusammen.
Nun hat der Bundestag – kein Mensch weiß warum – die Höhen dieser Pauschalen nicht in Euro festgelegt, sondern in Stunden pro Monat mal Euro pro Stunde. Beispiel: Für einen langjährigen Betreuten im Heim, der von Sozialhilfe lebt, gibt es für mich pro Monat 2 Stunden á 44,00 €, also 88,00 € brutto.
Das mit den Stunden ist dabei aber nur eine Berechnungsgrundlage, keine Arbeitszeitbegrenzung! Genau das wird aber von manchen beruflichen Betreuern immer wieder unters Volk gestreut. Erst vor kurzem habe ich eine Betreuung von einem Kollegen weitergereicht bekommen. Der betroffene Klient war ganz erstaunt, als ich ihm gesagt habe, dass ich selbstverständlich alle Arbeit erledige, die zu erledigen ist, unabhängig vom Zeitaufwand. Mein Vorgänger in dieser Betreuung hatte das nämlich nicht gemacht. Der hatte immer pünktlich nach erreichten 3,5 Stunden pro Monat die Arbeit für den Klienten eingestellt. Als Folge davon hatte er ihn auch nur höchstens einmal pro Jahr besucht. Und keinen notwendigen Sozialhilfeantrag gestellt. Gab das Zeitkontingent einfach nicht her.
Geht’s noch!?
Also, in aller Deutlichkeit: Wir beruflichen Betreuer bekommen feste Pauschalen, unabhängig vom tatsächlichen Arbeitsaufwand. Das bedeutet: Für dieses Geld haben wir alles zu tun, was zu tun ist. Mal mehr, mal weniger. Eine Stunden-Obergrenze steht nirgendwo im Gesetz!
Und wenn Ihnen, lieber Leser, mal wieder ein beruflicher Betreuer damit kommt, dass er diesen Monat leider nichts mehr tun kann, dann sagen Sie zu ihm, was das ist: Dummes Geschwätz.